Ich bin ein Boomer! Und ich bin stolz darauf, ja. Und es gibt viele Boomer, sehr viele. Es handelt sich um die geburtenstarken Jahrgänge ab 1955 bis 1964. Und weil sie so viele sind, haben die Boomer natürlich mehr in die Sozialkassen eingezahlt als jede andere Generation. Das ist ja schonmal Fakt!
Doch nun läuft seit geraumer Zeit ein „Boomer-Bashing“, in dem es darum geht die gesamten Boomer für alle momentanen Probleme schuldig zu sprechen, weil es nun mal so viele davon gibt. Schon in der Schule, in der Ausbildung und dann im Beruf waren sie ständig zuviel. Und nun logischerweise auch im Alter.
Wenn es um die Rente und die Finanzierung geht, heißt es ja sofort:
„Die Boomer haben die Rentenkassen geplündert.“
Werden Fachkräfte in der Wirtschaft gesucht, kommt sofort der Vorwurf:
„Die Boomer verschwinden in den Ruhestand, nun fehlt das Personal.“
Fehlende Ärzte, Pflegepersonal oder Lehrer gefahndet fehlen und wer ist schuld?
„Selbstverständlich sind die Boomer schuld. Wer denn sonst?“
Klimawandel haben natürlich auch die Boomer zu verantworten.
„Sie jetten zu häufig durch die Luft, fahren zu oft Autos, essen zu viel Fleisch.“
Und sie haben zu wenig Kinder gezeugt.
„Fragen der Gleichberechtigung und Wohlstandsgenuss waren wichtiger.“
Alles Übel der Welt lastet also auf unseren Schultern. Doch wer sich die letzten 30, 40, 50 Jahre ansieht, stellt schnell fest, dass die Boomer sich doch gut geschlagen haben.

Einer der Hauptvorwürfe ist ja, dass die Boomer die Rentenkasse geplündert haben. Ist das wirklich so? Im Jahr 1985 war der Rentenbeitrag 19,2 Prozent. Heute beträgt er 18,6 Prozent. Von dem heutigen Gehalt der Arbeitnehmer fließt also weniger in die Rentenkasse als früher. Die Ausgaben für die Rente sind auch nicht explodiert, sondern liegen bei ca. zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts. Und selbst bei einem Anstieg von einem oder zwei Prozentpunkten steigen sollte, wäre das überhaupt kein Problem, Wachstum vorausgesetzt. Das es zur Zeit eher mau damit aussieht, kann man schwerlich den Boomern vorwerfen.
Und am Fachkräftemangel sind die Boomer auch nicht schuld. In jeder Branche wird händeringend Fachpersonal gesucht. Bäckerei-und Metzgereiverkäuferinnen, Straßenbahn- und LKW-fahrer, Servicepersonal in der Gastronomie, überall fehlen gut ausgebildete Menschen. Sind daran etwa auch die Boomer schuld? Gewiß nicht. Es wären genug Arbeitskräfte da, doch sie haben oftmals keine vernünftige Ausbildung, weil sich kaum jemand um sie kümmert.
Ja, Deutschlands Gesellschaft altert, aber das macht erfinderisch.
Die Zahl der Patente hat sich verdoppelt, von 156 auf 361 pro eine Million Einwohner, wie auch in anderen alternden Ländern, etwa Japan, Finnland oder der Schweiz. Alter schützt vor Neuem nicht.
Boomer sind mit Kernkraftwerken groß geworden, mit der Katastrophe in Tschernobyl, mit saurem Regen, Waldsterben, Ozonloch und Aids. Die Boomer haben sich nicht unterkriegen lassen, kümmerten sich um Umweltschutz, fairen Welthandel, bessere Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern, um mehr Tier- und Pflanzenschutz. Wo die jungen Leute heute für besseren Klimaschutz kämpfen, haben die Boomer einst den Weg geebnet.

Für all das und noch weitaus mehr stehen Boomer. Sie haben sich nichts, absolut nichts vorzuwerfen. Alle nachfolgenden Generationen profitieren bis heute noch von den Leistungen dieser Generation. Und ja, die Rente könnte ein Problem der nachfolgenden Generation werden. Aber das wird dann an der zu beobachtenden Unlust auf Arbeit liegen, wie ich vermute.
Persönliche Anmerkung: Ich habe knapp über 50 Jahre gearbeitet, davon 44 Jahre in Schichtarbeit, nachts und am Wochenende. Ich habe dem Land bei der Bundeswehr gedient und mit meiner Frau zwei Kinder bekommen. Und genau deshalb muss und werde ich mich bei niemandem rechtfertigen!


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