Hundesinn

Es gibt ja Erlebnisse, da steht man anschließend da und fragt sich, was das gerade gewesen ist. Erklären kann man es nicht, verstehen schonmal gar nicht.
So eine Geschichte ist mir neulich passiert.

Wie schon in einer anderen Geschichte geschrieben, gehe ich ja jeden Morgen mit meinem Hund Balu auf Gassirunde. Der leicht steile Weg führt nach oben an einem kleinen Gemeindefriedhof vorbei, der etwas abgesenkt angelegt ist und dessen Eingang daher erst am Scheitelpunkt der Straße zu sehen ist.

Zu Beginn des Anstiegs ist Balu noch angeleint, ich möchte erst die Straße komplett überblicken können. Wir gingen also los.
Es war wie jedesmal, Balu blieb mal ab und zu stehen um zu schnuppern und quasi die Nachrichten anderer Hunde zu lesen. Soweit alles völlig normal.

Als wir uns dem Friedhof auf ungefähr 80-100 Meter näherten, blieb Balu urplötzlich stehen und begann zu knurren. Ich dachte ja im ersten Moment, dass er einen anderen Hund oder sowas gesehen hat. Normalerweise ist er absolut friedlich mit fremden Hunden, darum war ich schon leicht verwundert.

Jedenfalls stand er stocksteif da, das Fell aufgerichtet, knurrte so richtig tief und böse und starrte Richtung verschlossener Friedhofstür. Dann kam mir der Gedanke, dass da vielleicht eine Person auf dem Friedhof läuft und Balu irgendwie suspekt ist. Aber da war niemand….

Irgendwie brachte ich ihn dann doch dazu unseren Weg fortzusetzen. Er lief ganz am Rand der Straße, möglichst weit weg von der Friedhofsmauer. Extrem aufmerksam blickte er immer Richtung des Friedhoftürchens, immer noch komplett angespannt. Erst als wir paar Meter weiter waren, entspannte er sich, blickte aber immer wieder zurück.

Vermutlich hatte das alles eine einfache Erklärung, zumindest für den Hund. Keine Ahnung was ihn das gestört hat, was er gesehen, gehört oder gerochen hat.
Ich erzählte dem Nachbarn, der ebenfalls einen Hund hat, diese Geschichte. Aber auch er konnte nichts dazu sagen. Er wusste aber, dass am Tag zuvor eine Erdbestattung stattgefunden hat. Und eventuell hat der Hund noch irgendwas von der bedrückten und traurigen Stimmung gespürt. Und ich gebe auch zu, dass ich noch andere, morbide Gedanken hatte (auch wenn es sehr esoterisch ist).

Am nächsten Tag war ich gespannt… Aber es war wie all die Tage vorher, keine Anspannung und kein Knurren oder sonstige Reaktionen.
Aber gruselig war es schon!


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