Widerspruch Organspenden

Dass sich jeder Mensch einmal im Leben Gedanken dazu macht, ob er Organspender sein will, ist nicht zu viel verlangt.

Mehr als 8000 schwer kranke Menschen warten in Deutschland auf ein neues Organ: auf eine Niere, eine Leber, ein Herz, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse. Aber jedes Jahr sterben viel zu viele Patienten, obwohl man ihnen ganz leicht helfen könnte – wenn es denn mehr Organspender gäbe.

Mehr als vier Fünftel der Deutschen stehen einer Organspende eigentlich positiv gegenüber, aber nur wenige besitzen einen Spenderausweis. Die meisten drücken sich vor einer Entscheidung und führen allerlei Gründe dafür an. Und weil ja hierzulande nur die sogenannte Zustimmungsregelung gilt, wird nur der zum Spender, der zu Lebzeiten seine Bereitschaft zur Organspendeerklärt hat, am besten auf dem Organspenderausweis, in seiner Patientenverfügung oder im zentralen Online-Register.

Eine Gruppe von 245 Bundestagsabgeordneten aus Union, SPD, Grünen und Linken startet nun einen Gesetzesentwurf und will das ändern. Künftig soll jeder als Spender infrage kommen, wenn er nicht explizit widersprochen hat, so wie es in den meisten europäischen Ländern geregelt ist. Im Herbst wird sich zeigen, ob sich für eine Widerspruchslösung eine Mehrheit findet. Allerdings hat sich bereits eine zweite fraktionsübergreifende Gruppe formiert, die eine Änderung ablehnt.

Dabei spricht inzwischen sehr viel für die Widerspruchslösung. In ihr bleibt das Selbstbestimmungsrecht gewahrt: Man kann jederzeit Nein sagen. Aber die Kritiker finden, man dürfe niemanden zwingen, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Aber ist es besser, wenn Angehörigen diese Entscheidung überlassen wird? Von den Medizinern nach dem mutmaßlichen Willen des Menschen gefragt zu werden, der zweifelsfrei im Sterben liegt, ist eine immense Belastung. Insbesondere, wenn man sich nicht sicher ist.

Mit der Widerspruchslösung würde diese Situation der Vergangenheit angehören. Und das sich jeder Mensch einmal im Leben Gedanken dazu macht, ob er Organspender sein will, ist doch eigentlich nicht zu viel verlangt. Jeder ist diese Entscheidung seinen Angehörigen schuldig – und den Schwerkranken, denen geholfen werden könnte.

https://www.organspende-info.de


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